Alphabetisierung
Alphabetisierung

Fortbildung stärkt Lehrkräfte im Bereich Alphabetisierung
„Alphabetisierung für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger“ – unter diesem Titel fand eine eineinhalbtägige Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte an den Berufsbildenden Schulen III Stade statt. Die Teilnahme wurde durch Mittel aus dem Startchancen-Programm finanziert. Im Zentrum stand die Frage, wie Jugendliche und Erwachsene ohne ausreichende Deutschkenntnisse beim Lesen- und Schreibenlernen professionell unterstützt werden können.
Gerade an Schulen zeigt sich, wie groß der Bedarf an gezielter Alphabetisierungsarbeit ist. Viele Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, Schülerinnen und Schüler zu unterrichten, die im höheren Lernalter erstmals Schriftsprache erwerben – häufig in einer Sprache, die sie selbst noch nicht sicher beherrschen.
Besondere Herausforderungen im Unterricht
Die Fortbildung machte deutlich, dass der Schriftspracherwerb im Jugend- und Erwachsenenalter anderen Bedingungen unterliegt als im Grundschulalter. Neben sprachlichen Barrieren erschweren unterschiedliche Bildungsbiografien und Schulerfahrungen den Lernprozess. Hinzu kommt eine ausgeprägte Heterogenität in den Lerngruppen.
Die Lehrkräfte lernten zu unterscheiden:
- Primäre Analphabeten, die bislang keine Schriftsprachkenntnisse erwerben konnten
- Funktionale Analphabeten bzw. gering Literalisierte und
- Zweitschriftlernende, die bereits ein anderes Schriftsystem beherrschen.
Unterstützung beim Schriftspracherwerb
Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag ausdrücklich nicht auf der mündlichen Sprachförderung, sondern auf unterrichtspraktischen Hilfen beim Erwerb der Schriftsprache und zur Vermittlung von Lese- und Schreibkompetenzen.
Thematisiert wurden:
- notwendige Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb
- Unterricht auf Buchstaben-, Laut-, Silben- und Wortebene
- der Einsatz von Lehrwerken und Freiarbeitsmaterialien
Ein wichtiges Thema war außerdem die innere Differenzierung in heterogenen Lerngruppen. Vorgestellt wurde, wie Lernangebote so alltagstauglich gestaltet werden können, dass sie unterschiedliche Lernstände berücksichtigen und gleichzeitig selbstständiges Lernen fördern. Gerade lernungewohnte Jugendliche sollen damit schrittweise an eigenverantwortliches Arbeiten herangeführt werden.
Diese praxisnahe Gestaltung des Unterrichts kann Motivation schaffen und einfache Erfolgserlebnisse ermöglichen.
Gleichzeitig wurde betont, wie wichtig eine wertschätzende Lernatmosphäre ist. Viele Betroffene erleben Schamgefühle aufgrund ihrer Schwierigkeiten. Eine fehlerfreundliche Unterrichtskultur und kleine, transparente Lernschritte sind daher entscheidend für nachhaltige Lernerfolge.
Erfahrener Referent
Geleitet wurde die Fortbildung von Peter Hubertus aus Münster. Er ist seit 1983 in der Alphabetisierungsarbeit tätig, war Kursleiter in Lese- und Schreibkursen sowie Geschäftsführer des Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher Lehrwerke und Fachpublikationen und seit vielen Jahren als Referent in Schule und Erwachsenenbildung aktiv (weitere Informationen unter www.PeterHubertus.de).
Die Veranstaltung machte deutlich: Alphabetisierung ist an berufsbildenden Schulen längst zu einer Querschnittsaufgabe geworden. Um Jugendlichen und Erwachsenen echte Bildungs- und Berufschancen zu eröffnen, braucht es fachlich qualifizierte Lehrkräfte – und praxisnahe Fortbildungsangebote wie dieses.